Von Mädchen, so wunderschön,
und Männern, welche Liebe fühlen

Als Hausherr eröffnete Klinikleiter Dr. Tim Guderjahn den Konzertabend des 11. Oktober 2014 im Foyer der Schön Klinik. Er warb mit starken Worten für den Orgelneubau in St. Emmeram und ließ seinen Worten gleich Taten folgen, in dem er dem Vorsitzenden Harald Grella unter dem Applaus des Saales eine Beitrittserklärung samt persönlichem Beitrag überreichte.

Dr. Tim Guderjahn
Dr. Tim Guderjahn begrüßt als Leiter der Schön Klinik Vogtareuth und jüngstes Orgelbau­vereinsmitglied die zahlreichen Konzertbesucher.

Damit war die Reihe am musikalischen Organisator Richard Eschlbeck, der nach der Begrüßung der Ortsprominenz – u.a. Bürgermeister Leitmannstetter mit Gattin und Pfarrvikar Konrad Roider – und den einführenden Worten selbst mit dem Mozart-Lied „An Chloe“ begann. Schon als danach Christa Huber (Traunstein) zur „Arie des Cherubin“ ansetzte, wurde klar, dass an diesem Abend das Auge mithören durfte. Mit geübter Bühnenpräsenz umspielte die Sopranistin Michael Felsenstein („Bei Männern, welche Liebe fühlen“) ebenso wie – abermals aus Mozarts „Zauberflöte“ – Raimund Steinberger als Papageno, der im Gewand des Vogelfängers vors Publikum trat. Die Gegengewichte zu diesem turbulent-bunten Höhepunkt der ersten, von Mozart dominierten Programmhälfte setzte namentlich Renate Schmidmayer (Schwabering) mit der gefühlvollen Puccini-Arie „O mio babbino caro“, der sie klare Konturen verlieh.

Christa Huber und Raimund Steinberger
Papagena und Papageno: Christa Huber und Raimund Steinberger

Begleitet wurden die Sängerinnen und Sänger am Flügel fast durchwegs von Michael Eschlbeck, dem insgesamt eine gewaltige stilistische Bandbreite abgefordert wurde und der auch die Zäsur im Programmteil setzen sollte. Vielleicht war die Chopin-Nocturne Des-Dur, deren Linien er mit feinem Gespür von einer Hand in die andere laufen ließ, an diesen Abend fast verschenkt; das möchten wir gerne noch einmal in Ruhe hören. In jedem Fall könnte der Kontrast zur „Lustigen Witwe“ kaum größer sein, mit der Christine Gaßner und Maria Weiß von den Straßkirchener Sängerinnen die zweite Hälfte begannen. Als die beiden mit Schwung ins „Weiße Rössl“ wechselten („Mein Liebeslied muss ein Walzer sein“), hielt es das Publikum nur mit Mühe auf den Sitzen. Danach räumte Michael Eschlbeck vorübergehend seinen Platz für Michael Felsenstein, der mit zwei eigenen Vertonungen die Hörer staunen und stutzen ließ: Einen derart komplexen Text wie Wolfgang Borcherts „Versuch es“ mit einer Melodieführung zu hören, die zugleich freundlich entgegenkommend und mitnehmend, im wahrsten Sinn erhebend ist und noch dem Wortsinn genügend Raum gibt, war ein wirklich großes Erlebnis. Auch das möchten wir gerne noch einmal hören. (Ein guter Teil der Beitragenden dieses Abends zählt zu Felsensteins Gesangsschülern.)

Raimund Steinberger
Die Königin der Nacht: Raimund Steinberger

Doch der Abend sollte noch weitere Überraschungen bereithalten. Da war zum einen Barbara Bock (Sulmaring), die sich mit ihrer Musical-Erfahrung im mitreißenden englischsprachigen Original von „My Fair Lady“ gleich viel wohler fühlte als in der deutschen Übertragung von „Zeit in einer Flasche“ („Time in a Bottle“). Da war zum anderen noch einmal Mozart: Die Königin der Nacht aus der „Zauberflöte“ war gefragt und diesen Part übernahm – kein Sopran, sondern Raimund Steinberger. Er wechselte kurzerhand das Fach, spitzte die Lippen und pfiff die anspruchsvolle Zornesarie mit unbewegter Mine und ohne sich von der verblüfften Heiterkeit des Publikums anstecken zu lassen – ein Tausendsassa, wie er auf der Bühne steht.

Rudi Obermaier und Michael Felsenstein
Love me tender: Rudi Obermaier (Bass) und Michael Felsenstein am Flügel

Noch waren wir aber neugierig auf Elvis und sein Alter ego Rudi Obermaier. Er verfiel nicht ins übliche Presley-Imitat, sondern hängte sich als Bass-Salonlöwe im Flügel ein und verließ sich bei „Love me tender“ und „Falling in Love“ ganz auf die Stimme. Darauf gesellten sich die übrigen Herren dazu, um mit Kurt Weills „Down in the Valley“ das Finale einzuleiten: „Hello Dolly“ hieß der Abschied, den alle gemeinsam sangen. Der schallende Applaus verstieß vermutlich gegen die Bettruhezeiten der Klinikhausordnung, hatte aber den gewünschten Erfolg: eine Zugabe, nämlich „Oklahoma“ („wo es Mädchen gibt, so wunderschön“).

Publikum
Das Foyer war voll und das Publikum begeistert.

Im Saal war man sich ebenso einig: „Mehr davon!“ hießt die einhellige Spontankritik. Der Orgelbauverein wird sich Mühe geben. Er dankt für diesmal allen Mitwirkenden, die für den Abend zugunsten des Orgelneubaus in St. Emmeram auf alle Gage verzichtet haben, ebenso wie allen Helfern und Spendern und besonders der Schön Klinik, die auch noch die Bewirtung der Beitragenden übernahm, von ganzem Herzen! Das Vorhaben ist seinem Ziel damit um sehr erfreuliche 1167 Euro näher gerückt.